Silvan Reichen ist bereit für das WM-Abenteuer

Möbelschreiner Silvan Reichen (l.) wird von Chefexperte Tobias Hugentobler auf die World Skills in Shanghai vorbereitet. Bild: VSSM 

Mitte September geht die Reise an die World Skills, die Berufsweltmeisterschaften, im chinesischen Shanghai r Silvan Reichen aus Frutigen (BE) endlich los. Der Möbelschreiner bereitet sich seit Februar bei Experte Tobias Hugentobler im Thurgau vor. Parallel dazu hat er seinen Lehrabschluss gemacht.

Im Moment arbeitet Silvan Reichen an Furnierbildern. Beim Muster hat er sich von seinem baldigen Ziel inspirieren lassen: der Metropole Shanghai und dem Gastgeberland China. Dort nimmt er vom 22. bis 27. September 2026 an den WorldSkills in der Kategorie Möbelschreiner teil. Seit Februar trainiert er täglich für den Wettkampf. In der Schreinerei des VSSM-Chefexperten Tobias Hugentobler in Braunau (TG) feilt er an den Fertigkeiten, die für die WM wichtig sind.

Seinen Berufsabschluss als Schreiner EFZ hat er parallel an der Technischen Fachschule Bern gemacht. «Die IPA hatte ich auf Ende letzten Jahres vorgezogen und bin neben dem Training auch noch zur Berufsschule. Dank guter Vornoten konnte ich mich allerdings aufs Training konzentrieren.» Mit dem Abschluss sei er zufrieden, sagt der 19-Jährige aus Frutigen im Berner Oberland.

Das Objekt bleibt neu unbekannt

Der WM-Wettkampf wird über vier Tage laufen. In insgesamt 22 Stunden stellen die Möbelschreiner aus der ganzen Welt ein Objekt her. Worum es sich handeln wird, wissen sie allerdings nicht. Denn für diese Austragung wurde der Modus geändert. Früher waren im Vorfeld drei Objekte bekannt, die trainiert werden konnten. Aus deren Elementen wurde das Wettkampfobjekt gestaltet.

Nun hätten sich die Experten darauf geeinigt, dass die Aufgabe unbekannt bleibt und das gesamte Können eines Möbelschreiners gefordert sein wird, wie Hugentobler erklärt. Der Schweiz und anderen europäischen Teilnehmenden dürfte dies entgegenkommen. «Die Weltspitze ist mittlerweile breit. Ich rechne damit, dass Silvan gegen die Vertreter aus China, Taiwan, Südkorea, Grossbritannien, Deutschland und Frankreich um die vorderen Plätze kämpfen wird.»

In einem Trainingslager in England konnte sich Reichen im Juli mit seinen britischen, taiwanesischen und französischen Konkurrenten vergleichen. «Das war spannend und hat mich noch weiter motiviert, an mir zu arbeiten», sagt er.

Von der Fleissarbeit zu den Details

Zu Beginn seines Trainings hat Reichen gezielt an grundlegenden Arbeitsschritten gefeilt – Fleissarbeit, wie er dies nennt. Danach arbeitete er an ehemaligen WM-Objekten. «Bisher habe ich gegen zehn Stück hergestellt.» Seine Stärken sieht der Berner Oberländer bei den Arbeitsabläufen und beim Zeitmanagement. Bei der Arbeitsstruktur möchte er sich noch verbessern. Die Zeit schätzt er beim Wettkampf als grösste Hürde ein. Deshalb wird er dem genauen Planen einen hohen Stellenwert einräumen.

«Es wäre gut, wenn Silvan in der restlichen Zeit überall noch eine Schippe drauflegen könnte. Beim Wettkampf ist es besonders wichtig, saubere Verbindungen abzuliefern», ergänzt Experte Hugentobler, der seit 2015 die Schweizer Möbelschreiner betreut. «Denn diese werden subjektiv beurteilt, und bereits kleinste Fehler führen zu Abzügen.»

Entscheidend sind Präzision, Sauberkeit und ein guter Gesamteindruck. Bereits ein kleines Missgeschick kann auf diesem hohen Niveau und angesichts der breiten Weltspitze einen Rückstand bedeuten, der nur schwer wieder aufzuholen ist.

Ehemaliger Teilnehmer hilft aus

Einige Tipps hat sich Reichen von Elmar Wyrsch geholt, der 2024 an den WorldSkills in Lyon die Silbermedaille bei den Möbelschreinern gewonnen hat. «Es war spannend, sich mit jemandem auszutauschen, der das alles schon durchgemacht hat», findet der WM-Teilnehmer.

Wyrsch leiht Reichen auch seine Werkzeugkiste aus. «Meine musste ich Mitte August abgeben, da sie bereits früher nach China transportiert wird. Ich bin sehr dankbar, mit anderem hervorragendem Werkzeug weitertrainieren zu können.»

In die Werkzeugbox hat der Frutiger viel Zeit investiert. Er hat die Anordnung sämtlicher Werkzeuge detailliert geplant und mehrfach getestet, damit beim Wettkampf jeder Handgriff sitzt. Die Transportgrösse der Box ist vorgegeben und der Platz auf rund 1,25 Kubikmeter begrenzt.

Die Eltern unterstützen ihn vor Ort

Reichen ist froh, dass die Vorbereitungszeit bald vorbei ist und es endlich ernst gilt. Am 15. September fliegt er mit dem Schweizer Nationalteam und den Experten nach China. «Nervös bin ich noch nicht. Das bin ich sowieso eher selten», sagt er. «Mal sehen, wie es dann auf dem Wettkampfgelände ist.»

Er freut sich, dass ihn seine Eltern und drei Kollegen in Shanghai unterstützen werden. Auch wenn er kaum Zeit für sie haben wird, sei es schön, bekannte Gesichter um sich zu wissen.

Um mit dem Druck und insbesondere mit den eigenen Erwartungen umgehen zu können, arbeitet der Möbelschreiner einmal im Monat mit einem Mentaltrainer. «Natürlich wäre es grossartig, eine Medaille zu gewinnen», sagt er zu seinen Ambitionen. «Meine Ziele sind aber erstens, mit dem Möbel fertig zu werden, und zweitens, mein Bestes zu geben. Das ist mir am wichtigsten. So kann ich stolz auf mich sein.» Sollte es Edelmetall geben, wäre das natürlich ein Traum.

Was nach den WorldSkills kommt, weiss er noch nicht genau. «Sicher einmal Ferien – die habe ich mir verdient.»

worldskills2026.com
schreinermeisterschaften.ch



Swiss National Team: 42 Schweizer Teilnehmende

An den 48. WorldSkills in Shanghai nehmen vom 22. bis 27. September 2026 rund 1’400 junge Berufsleute aus über 60 Ländern teil. In 64 Berufen und Kategorien werden Medaillen vergeben.

Das Schweizer Nationalteam umfasst 42 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer, die in 38 Berufen antreten. Das Wettkampfgelände im National Exhibition and Convention Center umfasst 360’000 Quadratmeter.

Die Schweizer Teilnehmenden werden von der Stiftung SwissSkills betreut. Neben fachlicher Perfektion stehen mentale Stärke, Teamgeist und Durchhaltevermögen im Fokus. Mehrere Teamweekends haben den Zusammenhalt gestärkt.

Das Ziel ist klar: Die Schweiz soll erneut zu den erfolgreichsten Nationen gehören und den Titel als bestes europäisches Land verteidigen. Die Delegation fliegt am 15. September nach China und absolviert dort eine Vorbereitungswoche.

nationalteam.swiss-skills.ch

Silvan Reichen ist bereit für das WM-Abenteuer

Silvan Reichen beschäftigt sich im Training gerade mit Furnierbildern. Diese hat er selbst gezeichnet und sich von China inspirieren lassen. – Bild: VSSM
Möbelschreiner Silvan Reichen (l.) wird von Chefexperte Tobias Hugentobler auf die World Skills in Shanghai vorbereitet. – Bild: VSSM
Möbelschreiner Silvan Reichen – Bild: VSSM
Chefexperte Tobias Hugentobler – Bild: VSSM